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KI-Kennzeichnungspflicht 2026: Was Artikel 50 des EU AI Act für dich bedeutet

Autorenbild: Mariella Bohlmeier
Mariella Bohlmeier
7. Aug.
3 Min. Lesezeit

Seit dem 2. August 2026 müssen KI-generierte und KI-veränderte Inhalte in der EU als solche gekennzeichnet werden. Grundlage ist Artikel 50 des EU AI Act. Betroffen sind nicht nur große Tech-Konzerne, sondern jede Organisation, die KI-Werkzeuge im Alltag einsetzt – vom Handwerksbetrieb bis zur Berufsschule.


Kurz zusammengefasst: 

  • Seit 2. August 2026 gilt: KI-Inhalte müssen sichtbar gekennzeichnet sein. 

  • Betroffen sind Bilder, Videos, Audio und – unter bestimmten Voraussetzungen – auch Texte. 

  • Entscheidend ist der Veröffentlichungszeitpunkt, nicht das Erstellungsdatum. 

  • Verstöße sind bußgeldbewehrt; der Rahmen orientiert sich an der Unternehmensgröße. 

 

Eines vorweg: Dies ist keine Rechtsberatung. Wir ordnen den EU AI Act ein und leiten Handlungsempfehlungen ab. Eine rechtssichere Aussage ergibt sich daraus nicht. 


Was ist die KI-Kennzeichnungspflicht? 

Kurz gesagt: Wer KI zur Bild-, Video-, Audio- oder Textproduktion nutzt, muss das offenlegen. Nutzer:innen sollen beim ersten Hinsehen erkennen können, dass ein Inhalt mithilfe von KI entstanden ist und nicht erst nach längerem Suchen im Impressum oder in den Kommentaren. Ein Sternchen-Hinweis irgendwo am Seitenrand genügt dafür nicht, sondern der Hinweis gehört an den Inhalt selbst. 


Mann im Büro zur KI Kennzeichnungpflicht

Seit wann gilt die Pflicht? 

Die Pflicht ist am 2. August 2026 in Kraft getreten. Ab diesem Datum gilt: Wird ein KI-Inhalt veröffentlicht, muss er gekennzeichnet sein. Nicht das Erstellungsdatum ist entscheidend, sondern der Zeitpunkt der Veröffentlichung. Das bedeutet, dass ein bereits vor August erstelltes Bild, das erst danach gepostet wird, bereits unter die neue Pflicht fällt.


Wen betrifft die KI-Kennzeichnungspflicht? 

Die Pflicht betrifft jede Organisation, die KI-Werkzeuge im Alltag einsetzt. Die Werkzeuge reichen vom eingekauften Chatbot bis zum Bildgenerator im Marketing. Für vier Gruppen sehen wir bei innoventure.tech besonders häufig Berührungspunkte: 

  • Handwerk 

    Auch kleine Betriebe, die KI schnell und pragmatisch für Angebote, Visualisierungen oder Social-Media-Content nutzen, sind in der Pflicht. 

  • Mittelstand 

    Wo KI fest in Prozesse eingebettet ist, wie etwa in der Produktbild-Erstellung, sollte eine Kennzeichnung Teil des Standards werden, statt bei jedem neuen Inhalt einzeln entschieden zu werden. 

  • Verwaltung 

    Wo Bürger:innen mit KI-Systemen wie Chatbots in Kontakt kommen, entscheidet Transparenz mit über das Vertrauen in die Institution. 

  • Bildung 

    Wer KI im Unterricht vermittelt, sollte den verantwortungsvollen Umgang damit auch selbst vorleben, zum Beispiel bei KI-erstellten Lernmaterialien. 


KI-generiert oder KI-modifiziert: Wo liegt der Unterschied? 

Für die Kennzeichnungspflicht zählt beides. Es gibt eine wichtige Ausnahme. 

  • Generiert bedeutet: Ein Bild, Text oder Video entsteht vollständig durch KI. Ein solch erstellter Inhalt ist als “KI generiert” kennzeichnungspflichtig. 

  • Modifiziert bedeutet: Ein bestehender, realer Inhalt wird durch KI spürbar verändert – etwa eine neue Umgebung für ein Produktfoto. Das ist mit einem Verweis auf “KI modified” kennzeichnungspflichtig.

  • Die Ausnahme: Der Gesetzestext lässt hier Interpretationsspielraum. Bei einer reinen Rechtschreibkorrektur ist der Fall meist klar – bei Bildbearbeitung wie einfachem Freistellen ist es das nicht zwingend. Auch das kann je nach Lesart bereits als "modifiziert" gelten. Wo die Auswirkung auf euer Unternehmen größer ist, lohnt sich eine kurze rechtliche Einschätzung, um auf der sicheren Seite zu sein. 

 

Was gilt für KI-Texte? 

Bei Texten zieht der Gesetzgeber eine engere Grenze als bei Bildern. Relevant wird es nur, wenn ein KI-Text ungeprüft veröffentlicht wird. Produktbeschreibungen, Stellenanzeigen oder ganz normale Marketingtexte fallen in aller Regel nicht darunter, solange jemand aus eurem Team sie vor der Veröffentlichung liest und dafür die Verantwortung übernimmt.


Worauf es bei der Umsetzung ankommt 

Drei Punkte entscheiden darüber, ob eine Kennzeichnung den Anforderungen entspricht: 

  1. Sichtbarkeit: Der Hinweis muss direkt am Inhalt sitzen. Eine Fußnote reicht nicht. 

  2. Zeitpunkt: Entscheidend ist die Veröffentlichung, nicht wann der Inhalt entstanden ist. 

  3. Konsequenz: Verstöße sind bußgeldbewehrt – der Rahmen orientiert sich an der Unternehmensgröße. Es können allerdings bis zu 3% des weltweriten Umsatzes oder 15 Millionen € Bußgeld drohen.


Häufige Fragen zur KI-Kennzeichnungspflicht 

  • Muss ich ein KI-Bild kennzeichnen, das ich im Juli erstellt, aber erst Ende August gepostet habe? Ja. Entscheidend ist der Veröffentlichungszeitpunkt. Da die Veröffentlichung nach dem 2. August 2026 liegt, greift die Kennzeichnungspflicht und zwar unabhängig vom Erstellungsdatum. 

  • Muss ich auch die Caption zu einem KI-Bild kennzeichnen? Meistens nicht. Sobald jemand aus dem Team den Text vor dem Posten liest, anpasst und freigibt, zählt das als redaktionelle Prüfung. Dies erlässt euch die Markierung des Textes. Nur unkontrolliert veröffentlichte KI-Texte fallen unter die Pflicht, nicht die normale Caption zu eurem Instagram-Post. 

  • Darf ein KI-Bild, das schon vor dem 2. August online war, weiter online bleiben? Ja, solange es unverändert bleibt. Wird es erneut veröffentlicht z. B. neu gepostet, in eine neue Kampagne übernommen oder auf einem anderen Kanal geteilt, dann gilt das als neue Veröffentlichung, und die Kennzeichnungspflicht greift. 


Der erste machbare Schritt 

Wir kennen die aktuellen Symbolvorlagen, wissen, wo die Balance zwischen Auffälligkeit und Rechtssicherheit liegt, und begleiten euch dabei, den Prozess im Unternehmen zu etablieren – pragmatisch und auf den Punkt. Meldet euch. Wir gehen das mit unserer Methodik strukturiert an: 

  1. Zuhören: Wo taucht KI in eurem Alltag überhaupt auf? 

  2. Verstehen: Welche dieser Inhalte werden veröffentlicht? 

  3. Befähigen: Wie und wo muss die Kennzeichnung sichtbar sein? 

  4. Action: Wer im Team führt das künftig automatisch mit? 

 
 
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